
Rund 60 Menschen kamen am 16. September zur Mahnwache von ADFC Aachen/Düren und Radentscheid Aachen vor dem Rathaus zusammen, um für die sieben Ziele des Radentscheids einzutreten. © Norbert Lack
Rund 60 Menschen bei Mahnwache für die sieben Ziele des Radentscheids
Rat beschließt Änderung bei der Roteinfärbung – ADFC, Radentscheid und VCD halten am Gesamtpaket „7 Ziele für ein lebenswertes Aachen“ fest
Rund 60 Menschen sind am Mittwoch vor der Ratssitzung unserer Einladung zur Mahnwache vor dem Aachener Rathaus gefolgt. Unter dem Motto „7 Ziele für ein lebenswertes Aachen. Keins weniger.“ haben wir gemeinsam daran erinnert, dass der Radentscheid aus sieben miteinander verbundenen Zielen besteht – und nicht aus einzelnen Anforderungen, die unabhängig voneinander betrachtet werden können.
Vielen Dank an alle, die gekommen sind und mit uns ein sichtbares Zeichen gesetzt haben.
Anlass der Mahnwache war die geplante Änderung des Aachener Standards zur Roteinfärbung von Radverkehrsanlagen. Ziel 4 des Radentscheids fordert eine durchgängige und einheitliche Gestaltung und nennt dabei ausdrücklich die rote Absetzung neuer und zu sanierender Radverkehrsflächen. Daneben gehören unter anderem die bauliche Trennung von Geh- und Radwegen sowie eine eindeutige und unterbrechungsfreie Führung zum selben Ziel.
Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die vollflächige Roteinfärbung künftig weitgehend auf Konfliktbereiche zu beschränken. In ihrer Vorlage bezeichnet sie dies als „Konkretisierung der Ausführungsstandards“. Gleichzeitig hält die Vorlage selbst fest, dass die bisherige vollflächige Gestaltung die Wahrnehmbarkeit und Wiedererkennbarkeit von Radverkehrsanlagen erhöht und ihre eindeutige Erkennbarkeit für alle Verkehrsteilnehmenden unterstützt.
Der Rat hat entschieden
Im Anschluss an die Mahnwache hat der Rat die vorgeschlagene Änderung beschlossen. Damit gilt Ziel 4 aus unserer Sicht künftig nicht mehr in seiner ursprünglich beschlossenen Form.
Das enttäuscht uns.
Gerade bei Fahrradstraßen erleben wir in Aachen, dass eine durchgängige Gestaltung in rot einen spürbaren Unterschied macht: Radfahrende fühlen sich auf deutlich gestalteten Fahrradstraßen subjektiv sicherer, und nach unseren Beobachtungen nehmen auch Kfz-Fahrende den besonderen Charakter dieser Straßen stärker wahr.
Zugleich bleibt für uns entscheidend, dass der Begriff „Konfliktbereich“ künftig nicht auf Kreuzungen und Einmündungen reduziert wird. Auch Grundstückszufahrten, Radverkehrsanlagen entlang parkender Fahrzeuge, Ein- und Ausparkvorgänge, Falschparken sowie Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr müssen bei der konkreten Anwendung des neuen Standards berücksichtigt werden.
Es geht um mehr als rote Farbe
Unsere Mahnwache richtete sich deshalb ausdrücklich nicht nur gegen eine Veränderung bei der Roteinfärbung.
Der Radentscheid steht für sieben Ziele für ein lebenswertes Aachen. Dazu gehören neben einem zusammenhängenden Radnetz unter anderem sichere Kreuzungen, geschützte Radwege an Hauptstraßen, eine einheitliche Gestaltung und ausreichend Fahrradabstellmöglichkeiten.
Gerade bei einigen der großen Sicherheitsziele besteht weiterhin erheblicher Nachholbedarf. Der städtische Mobilitätsbericht 2025 weist beispielsweise bei den großen Ampelkreuzungen aus Ziel 2.1 weiterhin keinen vollständig umgesetzten Umbau aus; bei den Radwegen an Hauptstraßen aus Ziel 3 waren seit 2019 insgesamt 5,7 Kilometer dokumentiert.
Deshalb bleibt unsere zentrale Frage auch nach der Ratsentscheidung:
Bleiben alle sieben Ziele als Gesamtpaket politischer Maßstab für Aachen?
Wir werden die weitere Umsetzung daran messen – und uns weiterhin dafür einsetzen, dass nicht nur zusätzliche Kilometer entstehen, sondern ein Radnetz, das an Kreuzungen, Hauptstraßen und im Alltag tatsächlich sicher und verständlich funktioniert.
7 Ziele für ein lebenswertes Aachen. Keins weniger.
Wie fahrradfreundlich ist Aachen?
Wie sicher, angenehm und komfortabel ist das Radfahren in Aachen wirklich? Beim ADFC-Fahrradklima-Test 2026 kannst du deine Erfahrungen einbringen und zeigen, wo Aachen bereits gut aufgestellt ist – und wo noch Verbesserungen nötig sind. Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Kinder- und Jugendmobilität.
Mach mit – jede Teilnahme macht die Ergebnisse aussagekräftiger.







